Handel im Wandel - Zukunft des Detailhandels

«Es hat etwas Paradoxes: Wir jammern über das Lädeli-Sterben und stimmen Schwanengesänge an, wenn Traditionsgeschäfte wie Musik Hug, Pastorini, Fogal, das Babyhaus Wehrli oder der Handschuhladen Böhny an der Augustinergasse schliessen. Und abends kaufen wir online ein, oder wir gehen am Wochenende zum Grossverteiler statt in den Quartierladen.» - Tagesanzeiger Online, 5.12.17

Warum ist der Online-Einkauf in diesem Beispiel erstaunlich? Ich denke nicht, dass dies einen paradoxen, sondern vielmehr nostalgischen Gedanken darstellt. Wer kann sich überhaupt die Miete eines Quartierladens in der Innenstadt noch leisten? Oder eher: Welche Verwaltung nimmt einen Mieter mit einem solchen Konzept in die Liegenschaft auf? Ein unwahrscheinliches Szenario in den nächsten fünf Jahren.

Studie Handel im Wandel der Stadtentwicklung Zürich

Das Verteufeln des Online-Handels im internationalen Markt ist durchaus nachvollziehbar, auch wenn dieser lediglich eine zeitgemässe Realität in unserer globalisierten Welt darstellt. Der Einkauf beim Grossverteiler ist tatsächlich ungemein bequem geworden, da jede Filiale näher ist als die nächste ZVV Haltestelle und man sich mit «Karma» auch noch Gutes zukommen lässt.

Nun sind es auch dieselben Genossenschaften und Discounter, welche sich hohe Mietzinsen an Bahnhöfen in der Innenstadt, oder René Schudel leisten können. Eine Verdrängungsstrategie? Allerdings.

Doch während sich Konglomerate Marktanteile streitig machen, entstehen für Kleinunternehmen insbesondere im urbanen Raum, Chancen aus Trendbewegungen, welche die Elefanten nur nachäffen:

Die Retailtrends, wie sie von der Stadt Zürich in einer Studie am 4. Dezember präsentiert wurden, sind von lokalen Kleinunternehmen viel schneller und effizienter umsetzbar. Dabei ist die Einstellung einer Unternehmung entscheidend. Diese wird wohl letztendlich auch durch den Grad der Verzweiflung in einem enorm kompetitiven Markt beeinflusst. Innovation als Bewegung des KMU-Proletariats? Nicht ausschliesslich, aber auch nicht auszuschliessen. Angst und Passivität sind jedoch nach wie vor gegenüber den digitalen Absatzkanälen wahrzunehmen.

Retailer können über den Onlinehandel eine lokale Zielgruppe kleinlich segmentiert und persönlich ansprechen. Ich schenke einem hybriden Szenario für Zürich viel Glauben, bei welchem hochwertige und ökologische Produkte eingekauft werden, die jedoch primär über den digitalen Handel vertrieben werden. Der stationäre Handel ergänzt das Angebot der Retailer, um weitere Erlebnisse für Kunden zu schaffen, welche die Konsistenz vom Online- zum Offlineerlebnis gewährleisten.

Ein intensiver Wettbewerb vieler kleiner, innovativer Anbieter mit gemässigten Wachstumsambitionen, die den Detailhandel erneuern, erlebbar und attraktiv für Kunden machen. Auch wir von Earlybird tragen unseren Teil dazu bei. Der Handel ist im Wandel. Ob wir dabei sind, ist nicht die Frage. Ob wir den Wandel mitbestimmen wollen jedoch schon.

 


Älterer Post Neuerer Post

Schreibe einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen