Earlybird – Aus der Sicht eines Praktikanten

Zugegeben in der Küche habe ich bisher noch wenig Glanzleistungen vollbracht. Trotzdem entschied ich mich, mein Handwerk als Lehrer 10 Wochen ruhen zu lassen und bei Earlybird als Praktikant mitzuarbeiten. Ich kannte das StartUp-Unternehmen, weil unser Team einmal pro Woche leckeres, gesundes Mittagsessen ins Lehrerzimmer liefern lässt.

Schon sehr bald lernte ich die drei Jungunternehmer Mischa, Tim und Thomas kennen, allesamt sehr sympathische, aufgestellte, engagierte und unkomplizierte Typen, die mir schnell das Gefühl vermittelten, dass ich bei ihnen willkommen bin. Zunächst durfte ich die ersten vier Wochen in der Küche mithelfen, die sich in einer Art Pavillon befand und sehr neu aussah. Ich staunte nicht schlecht, als ich die vielen verschiedenen Gewürznamen im Regal entdeckte, mit zum Teil exotischen Namen wie «Sumach», «Tandoori» …, Namen und Gerüche von denen ich bisher keine Ahnung hatte.

Schon am ersten Abend bekam ich mit, dass die Kochhaube auf dem Kopf, die Plastikhandschuhe und die Waage wohl meine wichtigsten Utensilien in der Küche sein werden und das oberste Prinzip eines jeden  Kochs neben der Hygiene lauten muss: «Alles probieren was du kochst!». Gemüse und Früchte in passende Stücke schneiden, Rezepte genau durchlesen, alles in der richtigen Menge abwägen, kochen, steamen oder backen, das Essen in Bowls optisch ansprechend und in der richtigen Menge anrichten und zum Schluss Berge von Töpfen abtrocknen und die Küche putzen, so lautete mein Tätigkeitsablauf. Die Hintergrundmusik aus einer UE-Boom gab den passenden Rhythmus vor. Anleitungen von Rezepten genau zu befolgen und Zutaten dazu noch in optisch ansprechender Form hinzukriegen, entpuppte sich für mich als eine höchst konzentrierte Angelegenheit mit leicht meditativem Charakter.

Obwohl ich eine Generation älter und langsamer war als alle andern im Küchenteam, fühlte ich mich sehr wohl unter ihnen und wurde wertgeschätzt. Mit Tipps von Tim und den richtigen Techniken, ging mit der Zeit auch alles etwas schneller vonstatten. Nach zwei Wochen körperlicher Tätigkeit in der Küche wurde ich auch meine Gliederschmerzen endlich los.

Im zweiten Teil des Betriebspraktikums wechselte ich von der Produktion zur Logistik. Die Route und das Timing der Auslieferung wird über eine App definiert und die Tätigkeit gestaltete sich für mich in den ersten beiden Tagen als eine Art Postenlauf im Wettstreit mit dem App, die den Takt vorgibt. Die Einbettung der Bewegung im Alltag lässt sich in dieser Tätigkeit förmlich ausleben, zumal ich bei jedem Ort entscheiden kann, ob ich die Treppe oder doch eher den Lift nehme.

Es ist schon erstaunlich, was man so alles in den Bürowelten antrifft! Heute staunte ich über eine Belegschaft, die allesamt AirPods in den Ohren gesteckt hatte oder eine geschlossene Tür, die ich genau in dem Moment hätte öffnen können, als die Sekretärin sie per App entsperrte. Fazit: Jeden Tag meines Betriebspraktikums ohne die Schulhausglocken im Ohr ist eine Bereicherung für mich, die ich geniesse. Mal schauen was mich in den nächsten zwei Wochen noch alles erwartet.

  

Christoph Earlybird

 

Earlybird Christoph


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