Die philosophischen Grundlagen von earlybird

Wir kochen nach zwei Jahren Pause wieder unsere Menus. Die Zeit hat uns geholfen unseren philosophischen Grundstein zu verschieben, den wir in diesem Beitrag erläutern.

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Sich Zeit nehmen

Wir haben unzählige Learnings gemacht während der Pandemiezeit. Das Wichtigste war tatsächlich erstmal zu lernen, sich die Zeit zu nehmen, um unser gesamtes Schaffen hinterfragen zu können. Während viele Unternehmen für eine möglichst rasche Rückkehr zur «Normalität» plädierten, konnten wir als unabhängiger Betrieb die Gedanken dem generellen Sinn oder Unsinn der betrieblichen Zukunft widmen. Es hat uns selbstverständlich auch nicht gefallen, dass wir unsere Küche temporär geschlossen haben, doch wer sein eigenes Beklagen in eine grössere Relation setzt, kommt sich schnell lächerlich vor. Ganz grundsätzlich haben wir uns gefragt, wie wir eigentlich arbeiten möchten?

Wir haben unsere Zeit dem generellen Sinn oder Unsinn der betrieblichen Zukunft gewidmet.

In zahlreichen Diskussionen suchten wir den Austausch mit Mitarbeitenden, Mitmenschen, Freundinnen und Freunden und formulierten absolut intrinsische Wunschvorstellungen für das Projekt earlybird. Wir haben bemerkt, dass wir in den vergangenen Jahren teilweise unserer Ideologie nicht genug gefolgt sind. Was heisst das? Auch als Unternehmen ohne Investoren rückt der wirtschaftliche Fokus sehr oft allzu prominent in den Vordergrund. Das Schaffen wird zum Überleben. Dabei ist es leicht möglich, die gesamtheitliche Sicht für eine sinnvolle Arbeit zu verlieren. Genau diese Mission galt es wieder zu definieren. Wir sahen den betrieblichen Unterbruch als idealen Anstoss, sämtliche Wünsche, Visionen und Perspektiven zu überdenken und neu zu formulieren.

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Die Philosophie

Somit haben wir in den letzten Monaten vielseitige Bedürfnisse zum Ausdruck und unzählige Worte auf Papier gebracht und eine neue Basis für unsere Philosophie gelegt: 

 

Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass ökologisches und soziales Handeln mit der Wirtschaftlichkeit einer Aktiengesellschaft vereinbar ist. Eine zentrale Frage ist jedoch, nach welcher Maxime die Shareholder agieren. Meiner Beobachtung nach weht aktuell ein regelrechter Investitionssturm auf Öko-Startups. Allerdings wird dieses Rennen oftmals nicht effektiv gegen den Klimawandel sondern prioritär gegen das nächst kompetitive Start-up ausgetragen, da die wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren noch kurzfristiger angesetzt sind als der Zukunftshorizont unseres Planeten. 

Wir treten den Wettbewerb gegen den Klimawandel an.

Wir treten diesen Wettbewerb gegen den Klimawandel an. Für die Zukunft weiterer Generationen. Für die Stadt Zürich, um die Klimaneutralität bis 2040 Tatsache werden zu lassen. Wir verpflichten uns ebenso für faire Arbeitsbedingungen, Chancengleichheit und Mitspracherecht. Ehrlicherweise tun wir das auch für uns selbst und sämtliche Mitarbeitende, die etwas sinnvolles bewirken möchten und mit dieser Tätigkeit einen Lebensunterhalt bestreiten können.

Earlybird hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Warum 2030? Wir könnten bereits heute unsere CO2 Tonnen kompensieren und uns von den Sünden der Umweltbelastung freikaufen. Wir sehen dies etwas anders. Die Reduktion der CO2-Tonnen sollte nicht prioritär durch Kompensationen erreicht werden, sondern durch die Anpassung von Angeboten, Prozessen, Projekten, der Kommunikation mit Lieferant:innen und dem Apell ans Konsumverhalten. Mit genügend Rendite rechtfertig sich ansonsten jeglicher Schaden. Zudem wächst Geld schneller nach, als sich die Natur erholen kann, selbst in konjunkturell schwierigen Zeiten. 

 

Mit der earlybird Küche möchten wir biologische, vegetarische, saisonale und lokale Lebensmittel in extraordinär leckeren, überraschenden und innovativen Menus vereinen. Dabei reflektieren die Bowls nicht nur einen bewussten Umgang mit der Natur, sondern tragen die Werte und das Wissen einer schützenswerten Welt auch an Ihre Konsument:innen. Die Küche von Earlybird steht für die Erhaltung von ökologischer Vielfalt, minimalste CO2 Emissionen, Nutzung von erneuerbarer Energien, Verzicht auf Fleisch, lokale Beschaffung und gesunder Ernährung. Falls dies nicht reicht, um bis 2030 klimaneutral zu sein, müssen wir weiter gehen, oder konsequenterweise aufhören.

 

Mit earlybird füllen wir den Begriff der sozialen Verantwortung mit Sinn: Bei uns stehen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden vor allem anderen. Wir bezahlen faire Löhne, wünschen keine Hierarchien, pflegen partnerschaftliche Beziehungen mit Lieferant:innen und Konzepte wie die 4-Tage Woche sollen hier getestet werden. Wir fordern gleiche Chancen für Alle Mitarbeitenden, übergeben Verantwortung und geben den Mitarbeitenden eine Stimme in Form von aktivem und institutionellem Mitspracherecht. Der Erfolg wird bei Earlybird geteilt, sei dies finanziell oder in Form von eigenen Bedürfnissen. 

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Die Umsetzung

Nun sind das sicherlich schöne Worte, doch schlussendlich ist es die Umsetzung, die zählt. Daher haben wir unser Food Konzept in Einzelteile zerlegt und analysiert, wo wir nachhaltige Veränderung schaffen können.

Dies betrifft den Einkauf mit Recherchen und Besuchen von Gemüseproduzent:innen, den Umgang oder das Potenzial von Food Waste, die Menukreation und Angebotsplanung mit dem Verzicht auf Fleisch, der Saisonalität der frischen Zutaten, den Anbaubedingungen in Bezug auf Wasserverbrauch, Biodiversität, tiergerechte Haltung, oder der gesunden Inhaltsstoffe für eine abwechslungsreiche Ernährung.

 

Wir haben uns in den Verpackungswirrwarr eingelesen und setzen weiterhin auf eine Logistik mit unseren Elektrofahrzeugen. Durch den neuen Absatzkanal im Detailhandel wurde die Frage der Positionierung, des Designs und der Kommunikation unserer Philosophie via Verpackung behandelt. Der Prozess der Umsetzung ist intensiv, befriedigend, zermürbend, von Glück beflügelt und zielgerichtet. Fragen treffen auf Antworten die in Folgefragen münden.

Die ersten vier Menus sind mittlerweile online und entsprechen unseren Vorstellungen und Visionen bis jetzt hervorragend. Es liegt jedoch noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, um die formulierte Vision zu erreichen. Beispielsweise soll das Küchenteam noch mehr Verantanwortung und Kompetenzen übernehmen können, andererseits ist der Direktbezug der Lebensmittel von lokalen Höfen noch nicht sinnvoll umsetzbar, zusätzlich haben wir uns für eine Verpackung entschieden, die lediglich die beste Alternative zu unsere Wunschvorstellung darstellt.

Wir entwickeln unser Food Konzept nun täglich weiter und haben mit unserer Philosophie eine solide Basis für Entscheidungen, Innovationen und neue Projekte geschaffen.

 

Über den Prozess der Umsetzung wird es in weiteren Blogbeiträgen bestimmt noch einiges zu berichten geben. Bon Appétit!